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Steinfurt Bagnopark Burgsteinfurt

Ein Hauch von Italien mitten in Steinfurt: das Bagno

Der Bagnopark in Burgsteinfurt spielte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert innerhalb der kleinen Residenzstadt eine wichtige Rolle. Das heute nur noch in Teilen als planvoll angelegte Parkanlage erkennbare Bagno entstand ab 1765 südöstlich der Wasserburg der Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Seinen Namen verdankt es einem Badehaus (ital.: il bagno), das ursprünglich mit ein Kernstück der Anlage bildete.

Ort Steinfurt Bagno Konzertsaal

Das älteste bis heute erhaltene Gebäude im Bagno ist die Konzertgalerie. Sie wurde 1773/74 unter der Leitung des gräflichen Oberforstmeisters Johann Joest von Loen, einem entfernten Verwandten des Geheimrats Goethes, erstellt. Vor das Bauwerk legte man eine Gartenachse mit einer Fontäne, die von einem Wasserreservoir vom nahen Buchenberg aus gespeist wurde. In unmittelbarer Nähe befanden sich neben der Sommerresidenz (Chinesiches Palais) des Grafen noch der Speisesaal, bekannt als Kiosk und die Küche. Somit wurde der Bereich um die Konzertgalerie zum Hauptfestplatz der Parkanlage.

Das Bauwerk steht in der Nachfolge französischer und italienischer Galeriebauten, für die ein langgestreckter, schmaler Grundriss und eine Reihe regelmäßig angeordneter Fenstertüren an der Langseite bezeichnend ist. Gleichzeitig lehnt sich das Bauwerk in Grundriß und Ausstattung an den klassischen Typ des Gartensaals an. So gehen hier diese beiden Architekturtypen eine seltene Verbindung ein.

Ort Steinfurt Bagno

Die Steinfurter Konzertgalerie ist als eingeschossiger, rechteckiger Baukörper konzipiert. Ursprünglich war statt der attikaähnlichen Mauer über dem Gesims eine Balustrade (Geländer mit Säulen) mit 12 Figuren und 12 Vasen angebracht. Je sechs Fenstertüren durchbrechen in regelmäßiger Folge die beiden Längswände, die Querseiten bleiben dagegen geschlossen. Eine umlaufende Treppe aus drei Stufen führt zu den mit Werkstein gefassten Türen. Das Gesims zeigt eine antikisierende Gestaltung mit Architrav, Fries, Zahnschnitt und Kranzgesims auf. Die Gebäudeecken werden durch Quaderputz betont. Sonst ist die Fassade heute ohne jeden Schmuck. Ein Kupferstich von 1787 gibt den Pfeilern zwischen den Fenstertüren je ein paar ionische Pilaster wieder und zeigt im Gesimsbereich reiches Stuckdekor auf, doch ist nicht sicher überliefert, dass die Fassade tatsächlich so ausgestattet war. Als Vorbild für die äußere Gestaltung der Konzertgalerie kann unmittelbar die Galerie des Schlosses Grand Trianon im Park von Versailles herangezogen werden, die 1687/88 von Jules Hardouin-Mansart für Ludwig XIV erbaut wurde. Auch sie wurde für höfische Konzerte genutzt. Bei der Ausformung lehnt man sich jedoch nicht an das Konzept des Grand Trianon an, sondern gestaltet es ganz \”modern\” in Formen des französischen Frühklassizismus, wobei durchaus noch Rokokoelemente mit eingebunden werden.
Die Pfeiler sind mit dunklen Stuckmarmortafeln belegt (Kunstmarmor aus gefärbter Stuckmasse). Darin hat man schmale, hochrechteckige Spiegel eingelassen. Umgeben sind diese Tafeln von Stuckdekor, wobei Blumengirlanden und Blattranken bevorzugte Motive darstellen. Die Querseiten werden durch halbrunde, grottenartige Nischen betont, reich ausgeschmückt mit kunstvoll kombinierten natürlichen Materialien wie Muscheln und Schnecken, aber auch Mineralien und Kiesel. Seitlich neben den Grotten sind Stuckbilder, sog. Trophäen angebracht, die Malerutensilien, Bildhauerwerkzeuge, Gartengeräte und bevorzugt Musikinstrumente darstellen und so das intensive Interesse des Grafen für die bildende Kunst, die Gartenkunst, die Wasserkunst und besonders die Musik zum Thema machen. Als Vorbilder dienten zeitgenössische Vorlagen französischer Architekten, allen voran die des Architekten Jean Charles Delafosse, der seine Entwürfe in großer Zahl publizierte.

Ort Steinfurt Bagno

Die Konzertgalerie ist in Westfalen das früheste Beispiel einer Innenraumausstattung im Louis-Seize-Stil, der sich als Gegenströmung zum überladenen, verspielten Rokokostil verstand und sich auf die klaren, klassischen Formen der Antike besann. Kulturgeschichtlich dokumentiert das Gebäude die hohe Blüte des Musiklebens in einer kleinen, politisch unbedeutenden Residenzstadt zum Ende des absolutistischen Zeitalters. Durch die Teilnahme eines bürgerlichen Publikums an den Konzerten, wenn auch nur als Zaungast draußen vor der Tür, deutet sich der Übergang zur bürgerlichen Musikkultur des 19. Jahrhunderts an.

Bedingt durch die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen im ausgehenden 18. Jahrhundert erlebte auch die Konzertgalerie nur eine kurze Blütezeit. Mit dem Umzug des Grafen nach Bentheim kamen die zahlreichen kulturellen Aktivitäten zum Erliegen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts fanden nur noch vereinzelt Konzerte statt.

Schon seit dem 19. Jahrhundert waren immer Instandsetzungsarbeiten notwendig geworden. Bereits 1833 hatte man die Balustrade wegen ihrer großen Reparaturanfälligkeit durch die heute noch vorhandene umlaufende Dachmauer ersetzt. 1911 war das Gebäude schon in einem so schlechten Zustand , dass Teile des Stucks von der Decke fielen. Erst die Allgemeine Bürger Schützengesellschaft, die das Gebäude von 1929 bis 1944 gepachtet hatte, führte Renovierungen, wenn auch eher unfachmännisch, im Inneren und Äußeren durch. Seit 1944 aber war das Gebäude ohne jede Nutzung und, auch bedingt durch seine Lage, dem Verfall und mutwilliger Zerstörung ausgesetzt. Ab 1964 wurden durch das Westfälische Amt für Denkmalpflege die noch vorhandenen Stuckteile geborgen. Gleichzeitig begann man mit einer intensiven Untersuchung des gesamten Gebäudes. Doch erst 1990 konnte probeweise ein Wandfeld rekonstruiert und so die genauen Kosten einer Wiederherstellung ermittelt werden.

Mit Ende der Renovierungsmaßnahmen im März 1997 konnten hier wieder Konzerte auf international hohem Niveau stattfinden. Damit ist die Konzertgalerie endlich wieder zu dem geworden, was sie in der Vorstellung der Steinfurter schon lange ist: eine GRANDE GALERIE POUR LES CONCERTS.

Ort Steinfurt Bagno Park

Erfahren Sie alles über die Pflanzen- und Tierwelt des Bagno-Parks und dem angrenzenden Waldgebiet Buchenberg. Auf dem Waldlehrpfad lernen Groß und Klein, Gruppen, Schulklassen oder Einzelteilnehmer Wissenswertes über die hier typische Flora und Fauna, aber auch den Einfluss der adeligen und modernen Gestalter und Gärtner.

Naturkundliche Bagnoführung
Dauer der Führung:ca. 90 Min.

Führung Bagnopark
Dauer der Führung: ca. 60 Min.